Der Geschichtenerzähler

Der spielende König
Wie viel wiegt das Leben?
Weisheit
Mit Gott zu Mittag gegessen...
Wir wollen ja nur das beste für dich
Die halbe Wahrheit
Papst Johannes XXIII

 

Der spielende König

Und da erzählte Herodot von dem ägyptischen König Amasis:

Frühmorgens bis zur Zeit, wo der Markt voll war, verrichtete er mit Fleiss die anfallenden Geschäfte, dann aber begann er mit Zechgenossen seine Kurzweil zu halten und trieb Possen und Spiele.
Darüber betrübten sich seine Freunde, ermahnten ihn und sprachen: «O König, du wahrst deine Würde schlecht, dass du dich wegwirfst mit schändlichem Tun. Ehrwürdig solltest du dasitzen auf ehrwürdigem Thron, und den ganzen Tag über den Geschäften obliegen. So wüssten die Aegypter, dass sie von einem grossen Herrscher regiert werden, und dein Name würde gepriesen. Nun aber tust du gar nicht, wie es einem König geziemt.»

Er aber antwortete ihnen: «Wer einen Bogen hat, spannt ihn, wenn er ihn braucht, und hat er ihn gebraucht, so spannt er ihn wieder ab. Denn bliebe er allezeit gespannt, so würde er erschlaffen und wäre nicht mehr nütze, wenn Not ist.»

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harlekinWie viel wiegt das Leben?

Ein Schüler kam zu einem weisen alten Mann.

«Herr» sprach er mit schleppender Stimme «das Leben liegt wie eine Last auf meinen Schultern. Es drückt mich zu Boden und ich habe das Gefühl, unter dem Gewicht zusammenzubrechen.»

«Mein Sohn» sagte der Alte mit einem liebevollen Lächeln «das Leben ist leicht wie einer Feder.»

«Herr, bei aller Demut, aber hier musst du irren. Denn ich spüre mein Leben wie eine Last von tausend Kilo auf mir. Sag, was kann ich tun?»

«Wir sind es selbst, die uns Last auf unsere Schultern laden.» sagte der Alte, immer noch milde lächelnd.

«Aber...» wollte der Junge einwenden.

Der alte Mann hob die Hand: «Dieses ‹Aber›, mein Sohn, wiegt allein 1000 Kilo.»

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Weisheit

Milarepa hatte überall nach Weisheit gesucht, aber nirgends eine Antwort gefunden, bis er eines Tages einen alten Mann langsam einen Bergpfad herabsteigen sah, der einen schweren Sack auf der Schulter trug. Milarepa wusste augenblicklich, dass dieser alte Mann das Geheimnis kannte, nach dem er so viele Jahre verzweifelt gesucht hatte.

«Alter, sage mir bitte, was ist das, Weisheit?»

Der alte Mann sah ihn lächelnd an, dann liess er seine schwere Last von der Schulter gleiten, leerte den Sack vor sich aus und betrachtete sanftmütig dessen Inhalt.

«Ja, ich verstehe!» rief Milarepa. «Meinen ewigen Dank! Aber bitte erlaube mir noch eine Frage: War das alles?»

Abermals lächelte der alte Mann, sammelte seine Sache wieder ein, bückte sich und hob den schweren Sack wieder auf. Er legte ihn sich auf die Schulter, rückte die Last etwas zurecht und ging seines Weges.

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Mit Gott zu Mittag gegessen

Es war einmal ein kleiner Junge, der unbedingt Gott treffen wollte. Er war sich darüber bewusst, dass der Weg zu dem Ort, an dem Gott lebte, ein sehr langer war. Also packte er sich einen Rucksack voll mit einigen Coladosen und mehreren Schokoladenriegeln und machte sich auf die Reise.

Er lief eine ganze Weile und kam in einen kleinen Park. Dort sah er eine alte Frau, die auf einer Bank sass und den Tauben zuschaute, die vor ihr nach Futter auf dem Boden suchten.

Der kleine Junge setzte sich zu der Frau auf die Bank und öffnete seinen Rucksack. Er wollte sich gerade eine Cola herausholen, als er den hungrigen Blick der alten Frau sah. Also griff er zu einem Schokoriegel und reichte ihn der Frau.

Dankbar nahm sie die Süssigkeit und lächelte ihn an. Und es war ein wundervolles Lächeln! Der kleine Junge wollte dieses Lächeln noch einmal sehen und bot ihr auch eine Cola an.

Und sie nahm die Cola und lächelte wieder - noch strahlender als zuvor. Der kleine Junge war selig. Die beiden sassen den ganzen Nachmittag lang auf der Bank im Park, assen Schokoriegel und tranken Cola – aber sprachen kein Wort.

Als es dunkel wurde, spürte der Junge, wie müde er war, und er beschloss, zurück nach Hause zu gehen. Nach einigen Schritten hielt er inne und drehte sich um. Er ging zurück zu der Frau und umarmte sie. Die alte Frau schenkte ihm dafür ihr allerschönstes Lächeln.

Zu Hause sah seine Mutter die Freude auf seinem Gesicht und fragte: «Was hast du denn heute Schönes gemacht, dass du so fröhlich aussiehst?» Und der kleine Junge antwortete: «Ich habe mit Gott zu Mittag gegessen - und er hat ein wundervolles Lächeln!»

Auch die alte Frau war nach Hause gegangen, wo ihr Sohn schon auf sie wartete. Auch er fragte sie, warum sie so fröhlich aussah. Und sie antwortete: «Ich habe mit Gott zu Mittag gegessen – und er ist viel jünger, als ich gedacht habe.»

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harlekinWir wollen ja nur das beste für dich

Es war einmal ein älteres Ehepaar, das sich ein Lebenlang innigst ein Kind gewünscht hatte. Jeden Sonntag gingen sie in die Kirche und flehten zu Gott, er möge ihren Wunsch erfüllen.

Eines Tages kehrten sie von der Kirche heim und fanden in der Stube ein zartes, hübsches, kleines Mädchen. «Gott hat unsere Gebete erhört», sagten sich die Bauersleute und waren überglücklich. Es war ein liebes Kind, und die Eltern lasen ihm jeden Wunsch von den Augen ab. Es war Winter, und das Kind spielte gern draussen mit anderen Kindern. In der Stube weigerte es sich, auf der Ofenbank zu sitzen und hielt sich möglichst am kühlsten Ort im Zimmer auf.

Als der Frühling kam, wurde das Kind immer unglücklicher und wollte das Haus nicht mehr verlassen. «Du musst mit den andern Kindern spielen», meinten die Eltern. Sie wollten ja nur das Beste für das Kind und zerrten das sich sträubende Mädchen an die Frühlingssonne, und da geschah es: Das Mädchen zerfloss unter ihren Augen an der Sonne. «Ich bin eine Schneeflocke», sagte es noch und verschwand.

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Die halbe Wahrheit

Vom Propheten Mohammed wird folgende Begebenheit berichtet:

Der Prophet kam mit einem seiner Begleiter in eine Stadt, um zu lehren. Bald gesellte sich ein Anhänger seiner Lehre zu ihm: «Herr, in dieser Stadt geht die Dummheit ein und aus. Die Bewohner sind halsstarrig. Man möchte hier nichts lernen. Du wirst keines dieser steinernen Herzen bekehren.» Der Prophet antwortete gütig: «Du hast recht!»

Bald darauf kam ein anderes Mitglied der Gemeinde freudestrahlend auf den Propheten zu: «Herr, du bist in einer glücklichen Stadt. Die Menschen sehnen sich nach der rechten Lehre und öffnen ihre Herzen deinem Wort.» Mohammed lächelte gütig und sagte wieder: «Du hast recht!»

«Oh, Herr», wandte da der Begleiter Mohammeds ein: «Zu dem Ersten sagtest du, er habe Recht. Zu dem Zweiten, der genau das Gegenteil behauptet, sagst du auch, er habe Recht. Schwarz kann doch nicht weiss sein.» Mohammed erwiderte: «Jeder Mensch sieht die Welt so, wie er sie erwartet. Wozu sollte ich den beiden widersprechen? Der eine sieht das Böse, der andere das Gute. Würdest du sagen, dass einer von beiden etwas Falsches sieht, sind doch die Menschen hier wie überall böse und gut zugleich. Nicht Falsches sagte man mir, nur Unvollständiges.»

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Papst Johannes XXIII

Eine Anekdote über Papst Johannes XXIII

Ein junger Bischof wendet sich kurz nach seiner Weihe an Papst Johannes XXIII und sucht seinen Rat, weil er vor der hohen Würde dieses Amtes schlussendlich zurückschreckt und aus lauter Verantwortungsbewusstsein keinen Schlaf mehr findet. Er denkt, dass er dies auf Dauer nicht bewältigen könne.

Daraufhin lächelt der Papst und sagt: «Mein Sohn, als ich zum Papst gewählt wurde, bin ich erschrocken vor der Würde dieses Amtes, und ich konnte eine Zeitlang überhaut nicht mehr schlafen. Einmal bin ich doch kurz eingenickt, da erschien mir ein Engel im Traum, und ich erzählte ihm meine Not. Daraufhin sagte der Engel: ‹Giovanni, nimm dich nicht so wichtig›. Seitdem kann ich wunderbar schlafen.»

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